Gedanken nach dem 1. Mai 2012 in Wilhelmshaven

Kollege Schmidthenner, ein guter Linker und bundesweit bekannter Gewerkschafter, spricht: ”alle Macht sollte vom Volk ausgehen, nicht von den Märkten”
---schwacher Beifall----

“Wir leben in einem ’Imperium der Schande’, Titel eines berühmten Buches von Jean Ziegler
---schwacher Beifall----

“Leiharbeiter schützen, Leiharbeit beenden”
---ganz schwacher Beifall---

“Rente mit 67 muss weg”
---schwacher Beifall---

“Hartz 4 muss weg”
---schwacher Beifall---

Und so ging es weiter, eine gute und linke Rede, aber der Beifall schwach.

Horst hat dann noch mit einigen alte Gewerkschaftslieder gesungen
---schwacher Beifall---

Da denke ich mir: das nächste Mal: gute Mucke, schönes Wetter, wie dieses Jahr, kühles Bier und Kollegen treffen. Keine Reden mehr, keine Lieder, keine Politik.

Machen wir politischen -1.- Mai- Besucher doch mal was anderes in 2013: Laden wir die ein, die von Billiglöhnen leben müssen, von Leiharbeit, die das Jobcenter schikaniert ,die die’ Tafeln’ belagern, die das Fernsehen verblödet und die Bildzeitung ausrichtet.Tausende könnten wir einladen in Whv., tausende leben allein, kämpfen sich durch nach dem Gesetz der Zeit: Jeder für sich allein, Solidarität war gestern und vorgestern, als die Gewerkschaften noch jung waren und ihre Lieder echt. (Johann Janssen)


Gedanken nach der Lektüre eines Spiegel-Artikels (Spiegel Nr.8 Seite 48) Titel: " Die Scharfmacher"

In dem Artikel werden zwei deutsche Nachswuchsprediger des Islam vorgestellt. Sie sind jung, sprechen deutsch, weil sie Deutsche sind und haben eine wachsende Zuhörerschaft. Die Moscheen, die in Deutschland für viele Moslems, gerade jüngere, als lebensfremd angesehen werden, füllen sich bei diesen beiden Predigern wieder. Über YouTube verbreiten sie ausserdem noch ihre Lehre. Sie heißen Abdul Adhim und Pierre Vogel.

Beide verbreiten einen strengen Islam: es ist besser, "keusch und verheiratet zu sein", sagt z. B.. Vogel, der auf diesem Sektor ein bewegtes Leben hinter sich hat.

Richtiges und Falsches wird von beiden Predigern zu einem leicht geniess- und verdaubaren Brei zusammengekocht. Und junge Moslems fliegen drauf.

Was mich besonders aufgeschreckt hat, sind Vogels Worte, nachdem er den westlichen Individualismus abgelehnt hat, " diese westliche Ideologie, die dir sagt, ich habe niemandem zu gehorchen". Abgesehen davon, dass das garnicht stimmt, denn auch im Westen gehorcht der Mensch erst den Eltern, dann den Lehrern, dann den Regeln und Gesetzen usw usf, suchen junge Menschen Autoritäten, denen wir früher immer davongelaufen sind? So scheint es zu sein.


Junge Männer mit geringem Wissen brauchen wohl Leithammel, um sich orientieren zu können. Das können Götter sein bei den Religiösen oder irgendwelche Führer bei den weniger Frommen; in beiden Fällen ein Trauerspiel, finde ich, in einer offenen Gesellschaft, die wir sein wollen, die Gefahren birgt, aber auch grosse Chancen, weswegen zehntausende Freiheitssuchende pro Jahr in diese westlichen Staaten einzureisen versuchen.

Wozu also ist der Mensch geboren, zu einem Gefolgsmann oder Jünger, oder zu einem freien Menschen, der sein Leben ohne Gott, Prediger, Führer oder sonst einem Guru solidarisch und mitmenschlich lebt?

Darüber zu streiten und sich auszutauschen ist sicherlich lohnend, denn die Antworten auf diese Frage wird bestimmend sein für die Entwicklung jeder menschlichen Gesellschaft. (Johann Janssen)


Was eigentlich ist Spiritualität?

Wir kennen den Spiritus, der brennt und wir hören aus Rom ein bis zweimal im Jahr "et cum spiritu sanctu"; und so verbinden wir die Spiritualität ganz allgemein mit der oder den Religionen.

In der letzten "diesseits"-Ausgabe (www.diesseits.de), diesseits ist das Magazin des weltlichen Humanismus, also das Magazin von und für Ungläubige, wird nun untersuchen, ob auch die Ungläubigen Spiritualität haben können, oder nicht.

Jenseits der Religionen kommt sie schon vor, etwa in der Esoterik, im New Age, im Glauben an die Sterne, oder im Buddhismus, um nur die wichtigsten nicht religiösen Spielarten zu benennen.

Und im Humanismus, bei den Ungläubigen? Dazu sagt Dr. Dr. Kahl aus Marburg: "Weltlich-humanistische Spiritualität zeichnet sich gegenüber religiöser Spiritualität dadurch aus, dass Glanz und Elend, Grösse und Grenze, Traum und Tragik des Menschseins rein weltlich begründet werden. Rein weltlich heißt: rein innerweltlich-hergeleitet gemäß den Gesetzen der Natur aus der biologischen Evolution des Lebendigen und gemäß den Regeln der Gesellschaft, die im Laufe der kulturellen Evolution des Zusammenlebens entstanden sind." Und weiter: " Zum Kern einer weltlich-humanistischen Spiritualität gehört der Stolz, ein Mensch zu sein (von Überheblichkeit klar geschieden), gehört die adressatenlose Dankbarkeit, für kurze Zeit am grossen Welttheater teilhaben zu dürfen und gehört schliesslich die Demut, sich mit allen anderen Lebewesen als sterblich annehmen zu müssen."

Gita Neumann, eine andere Stimme aus dem Magazin, sagt, auch Atheisten sollten anerkennen, dass es Unüberprüfbares gibt, Zweckloses; nicht alles ist rational zu erklären und zu überprüfen. Atheisten "sollten die Grenzen von traditioneller Wissenschaft, Rationalität, Verfügbarkeit anerkennen. Wir sollten uns zu eigen machen, das Bewusstsein für diese Begrenzung in der humanistischen Menschenbildung zu fördern, weil wir sonst schlechterdings nicht toleranz-, nicht friedens- und nicht kulturfähig wären."

Starker Tobak? Nun ja,alles ist eben nicht zu erklären, vieles noch nicht, vieles wird aber wohl immer unbeantwortet bleiben, wie z.B. die Frage nach dem Sinn unseres eigenen Lebens. Die Christen haben sich zur Beantwortung ihrer Fragen einen Gott im Himmel gemacht, wir Atheisten haben das nicht nötig, dafür gebührt uns der Stolz des Prometheus, aber nur dann, denken wir, wenn wir bescheiden bleiben und demütig. Ein Blick in den nächtlichen Sternenhimmel sollte dafür eigentlich genügen. (Die Redaktion)


Unter keinem guten Stern … (28.01.2012)

so würde wohl jeder sagen, der in der Astrologie zuhause ist, wenn es darum ginge, einem Außenstehenden Betrachter die Wilhelmshavener Verhältnisse zu erklären.

Das Schicksal der Jadestadt hat – in der Geschichte zurückblickend – messbar und fühlbar zu keiner Zeit unter einem guten Stern gestanden. Zu manchen Zeiten war es auch schon mal ein von schnell verglühenden Kometen durchzogenes Heer von schlechten Sternen. Wie mit einem Paukenschlag fiel dieses Sinnen über mich her, als ich am 28ten Januar zu früher Morgenstunde unsere Tageszeitung aufschlug. Auf der Titelseite krachte der Hammer des Combi-Rausschmisses aus der Nordseepassage auf die noch nachtesmüden Leser nieder. Über die Meldung von der Insolvenz der am Jade-Weser Hafen zerbrochenen alteingesessenen Huntestädtischen Baufirma Hecker links daneben haben sich dann wohl die Oldenburger besonders gefreut. Auf der „Hafenseite“ feierte im Nachruf auf den verstorbenen IHK Funktionär Ahrens die Boomtown-Euphorie und die glühende Leidenschaft des Verschiedenen für den Jade-Weser-Port fröhliche Urständ, um gleich links daneben durch eine Pressemitteilung über die Aufwertung des Duisburger Binnenhafens durch den Schweizer Frachtkonzern Kühne & Nagel wieder auf erschreckend kleine Größe zurechtgestutzt zu werden. Der eidgenössische Frachtgigant hat sich Duisburg mit Blickrichtung auf die exzellenten Verbindungswege nach Antwerpen und Rotterdam ausgeguckt. Ob die Lenker und Planer im schwyzerischen Schindellegi nichts vom Milliardenprojekt an der Jade wissen, oder wissen die Fachleute in der Eidgenossenschaft vielleicht etwas, was den Agierenden hier vor Ort noch nicht bekannt ist, bzw. was sie den Menschen in der Stadt oder Region solange zu verschweigen beabsichtigen, bis sie selber ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben? Wie soll Wilhelmshavener Bürger sich die Vehemenz erklären, mit der der schleswig-holsteinische Landtag und die Kieler Landesregierung sich in der darüber platzierten Meldung für eine Vertiefung der Elbe einsetzen? Es kann doch nur dem guten Verhältnis zu den Verantwortlichen der Hansestadt zugerechnet werden – oder warum sonst werfen die Fördepolitiker keinen Blick nach Schlicktau – nicht einmal einen Seitenblick ist der Jadehafen ihnen wert.

Vielmehr forcieren sie für den Flusshafen Hamburg die Anlaufmöglichkeit für 16 tausend Container fassende Riesenfrachter, die zeitgleich mit der Fertigstellung des Jade-Weser-Port den Hamburger Hafen anlaufen sollen.

So steht es als Triumph der Hamburger Senatoren im Leitbericht links oben auf der Hafenseite der WZ-Ausgabe vom 28ten Januar zu lesen. Für die Wilhelmshavener ist es ein bisschen zuviel des „Guten“ auf einmal. Ich mag nur hoffen, dass die „Euphoristen“ in Stadt und Umland so langsam glaubhaftere, weil realistischere Töne in ihren Verlautbarungen zur Stadtentwicklung anschlagen. Ewald Eden


Zukunft Wilhelmshaven … (19.08.2011)

lautet das Zauberwort, lautet die Losung für die Wahl in den Rat der Jadestadt. Liebe Wilhelmshavener - und damit meine ich auch ausdrücklich das starke "schwache Geschlecht" in den Reihen derer von Schlicktau - diejenigen, die von uns wahlberechtigt sind, stehen am 11. September vor einer vieles entscheidenden Entscheidung. Ich möchte jedem "Kreuzungsberechtigten" nahe legen, sein Kreuz oder seine Kreuze so zu setzen, dass dabei am Wahlabend ein in seiner Zusammensetzung miteinander umgangsfähiger und ausschließlich um das Stadtwohl bemühter Rat auf dem "Siegertreppchen" steht. Selbst wenn diese zukünftige Parlamentsmannschaft in den buntesten Farben schimmern sollte, sollte kein Bürger einen Schrecken bekommen müssen, oder bekommen, wenn er sich die Charaktere und die Kopfinhalte der gewählten vorher mit der nötigen Intensität angeschaut hat. Unseres letzten Kaisers Spruch: "Ich kenne keine Parteien mehr - ich kenne nur noch Deutsche" vor dem Zug seiner Heere in die ersten Schlachten geistert noch immer als Anachronismus durch die Annalen der Geschichte, und hat bis heute nichts von seinem grundlegenden Wahrheitsgehalt verloren. Unser Gemeinwesen Wilhelmshaven schleppt ungeheuer schwere Altlasten an Vergangenheitsversäumnissen und eklatanten Fehlentscheidungen, auch der jetzt scheidenden Verwaltungsspitze und des dazugehörigen Rates, hinter sich her.
Nach der Bitte an meine Mitbürger, auf jeden Fall an der Wahl teilzunehmen noch mein Rat an den dann neuen Rat, nicht genüsslich und nur um des Übelgeruchs wegen in den Versäumnissen und Fehlern der Abgetretenen oder Entmachteten herumzurühren, sondern ganz einfach das Untun und die Fehlhandlungen derer von Gestern nicht zu wiederholen. Darum, liebe Mitbürger, schaut Euch die Reihen der Bewerber ohne eine wie auch immer gefärbte ideologische Brille an und entscheidet am 11. September eingedenk der Worte des alten Wilhelm: "Ich kenne keine Parteien - ich kenne nur Wilhelmshavener. Ich werde nach dieser Maxime meine Wahl treffen - ich hoffe, Sie tun es auch.
In diesem Sinne
Ihr Ewald Eden

 

Neue Zukunft - oder wiederbelebte Vergangenheit? (19.08.2011)

Jedes Berichten über geplante Nordfrost'sche Großinvestitionen lässt mein Empfinden im ersten Moment stets ein wenig nordisch frösteln, weil mein Erinnern mir dann unweigerlich das Bartelsche Entschwinden nach der JADE-Kost Karambolage auf eine atlantische Ferieninsel auf den Tisch knallt, von der dann containergroße Krokodilstränen des Bedauern vom sich in den Süden abgesetzten Firmenchef an die im Regen stehenden und von der Pleite überraschten Mitarbeiter geschickt wurden.
Ich frage mich unablässig, womit der subventionskundige einstige EG-Butterberghüter und Milchpulvereinlagerer Bartels die Gemüter der Wilhelmshavener Stadtverweser nach dem Desaster mit seinen vor die Wand gefahrenen Jadekostaktivitäten wohl besänftigt hat. Aber vermutlich brauchte er gar keine aufgebrachten und gegen ihn gerichteten Gemüter beruhigen - weil es ganz einfach keine gab, denn die Moneten, die das Hasardspiel der Kommune damals gekostet hat (ich denke da nur an die "Entschädigung" für diverse andere deutsche Hersteller von Tiefkühlprodukten) hat ja die Geldbörsen der verantwortlichen Stadtlenker nicht mit einem Pfennig belastet.
Von den Pinunsen aus sonstigen Fördertöpfen einmal ganz zu schweigen. Die Wilhelmshavener Stadtregierungen der Vergangenheit waren ja dem immer sich wiederholendem Geschehen nach zu urteilen eine Clique ziemlich "harter Hunde" - denn so oft sie ein - mit viel Versprechungen an die Adresse der Bürger und mit noch mehr Barem aus den Taschen der Bürger - gepuschtes Hoffnungsprojekt vor die Wand gefahren hatten, genauso oft zauberten sie, wie der Magier auf der Bühne ein Kaninchen aus seinem Zylinder, ein neues heiße Luft Projekt aus dem Ärmel.
Nicht, dass jetzt bei dem einen oder anderen der Eindruck entsteht, ich wäre gegen Nordfrost vor Voslapp - das nicht. Nur, das Alleinstellungsmerkmal in Bezug auf ansiedlungswillige Investoren aus Industrie, Handwerk und Handel auf den mit großem Kostenaufwand der Natur entwendeten Flächen - und das ein Jahr vor der versprochenen Inbetriebnahme des Jahrhundertprojektes Tiefwasserhafen - kitzelt bei mir eine natürliche Skepsis wach.
Am 11. September haben die wahlmündigen Bürger Schlicktaus wieder einmal Gelegenheit, die Leit(un)kultur in ihrer Stadt zu ändern - vielleicht schaffen die Passagiere des Dampfers Wilhelmshaven es dieses Mal, die Besatzung auf der Brücke und den Decks durch unverbrauchte und NICHT investorenferngesteuerte Weibsen und Mannen auszutauschen.
von Ewald Eden

 

Hausmannskost im Gorch Fock Haus … (10.08.2011)

Anläßlich der (Spitzen)Kandidatenrunde im Wahlbereich Ost zur Kommunalwahl in der Jadestadt, konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, eine mit spärlicher Hausmannskost gedeckte Tafel vor mir zu sehen, an der die daran sitzenden Esser sich mühselig mühten, für sich den jeweils besten Brocken Fleisch aus der Terrine zu angeln. Gleich gut gelungen ist es der Runde freilich nicht - allein schon weil auf Linksaußen ein ziemlich rücksichtsloser Rüpel unablässig nach den fettesten Happen grabschte. Das langjährige Ratsmitglied Schmidt hat mit seinem Gorch Fock Auftritt dem OB-Kandidaten seiner Partei wahrlich nicht den Weg in den Chefsessel des Rathauses geebnet. Bei seinen Redeschwallen habe ich mich nur gefragt, was der Mann (und die anderen "Mannen" seiner Partei) in den langen Jahren der Ratszugehörigkeit gemacht haben, wenn es denn in der neuen Legislaturperiode des Schlicktauischen Stadtparlaments soviel zu reparieren und/oder anders zu machen gilt, wie er es in seinen dominierenden Wortbeiträgen ständig hervorhob.
Hätten nicht drei starke Vertreterinnen des schwachen Geschlechts (wenn auch drei völlig verschiedenartige) den Ausführungen zur angefragten Thematik Farbe verliehen - das Ganze wäre mir wie ein Celluloidstreifen in schwarz/weiß erschienen.
Ich hatte streckenweise bei einem Teil der Anwesenden männlichen Bewerber nicht den Eindruck, die Herren würden sich für einen Sitz im Gesamtkommunalparlament einer ziemlich großen Gebietskörperschaft bewerben - und von Ideen oder gar Visionen habe ich so gut wie gar nichts entdecken können. Für mein Empfinden ging es da eher um den Einzug in einen nachgeordneten Stadtteil- oder Ortsrat. So sah wohl eher die Kirchturmpolitik, schon lange in die Geschichte eingetauchten Vorvätergenerationen aus. Wobei ich sagen muß, dass die oftmals unzweifelhaft effektiver zum Wohl der Allgemeinheit agierten.
von Ewald Eden

 

Jetzt haben die Bürger das Wort … (09.08.2011)

So war es zu lesen in der Dienstagsausgabe der ‚Wilhelmshavener Zeitung' vom 9. August 2011 - wohlgemerkt, auf der Seite "Niedersachsen und Bremen" der Wilhelmshavener Zeitung. Gemeint sind damit offensichtlich die unmittel- bzw. mittelbaren Weseranwohner. Der BUND als Naturschutzinstitution ruft in diesem Zusammenhang die Anrainer zum Widerstand gegen die Schädigung der Natur und letztendlich der Gefährdung der Deich- und Landsicherheit auf. Die Leute haben wache Sinne, zumindest was im Rahmen der Ökologie und des Hochwasserschutzes ihre ureigenen Belange betrifft. Ich frage mich allerdings, wo die "wachen Sinne" der Wilhelmshavener Bürger sind - und da allen voran das "Merken" der verantwortlich Handelnden in Politik, Verwaltung und Wirtschaft.
Es scheint sich in einem Dämmerzustand nahe der Bewusstlosigkeit zu befinden. Natürlich höre ich jetzt die Entgegnung, was schert uns hier die Deichsicherheit an der Weser - wir haben doch genug mit der Wahrung des Küstenschutzes vor unserer Haustür zu tun.
DAS hat mich auch nicht angestoßen - angestoßen hat mich der Nachspann zu dieser Meldung, nämlich dass die tiefgehendsten Containerfrachter in allernächster Zukunft problemlos den Bremerhavener Containerhafen anlaufen können. Die Bremer (und auch andere Interessierte) schaffen sozusagen mit vergleichbar geringem Kapitaleinsatz im Handumdrehen Fakten, die das Wilhelmshavener Gerede vom einzigen deutschen Tiefwasserhafen ad absurdum führen. Während in Wilhelmshaven unermeßliche Geldmengen mittels Saug- oder Eimerbagger zu einer riesigen Sandwüste geformt werden, und noch bevor der erste Massengutriese mit seiner Blechkistenladung auch nur seinen Bug in die Jademündung gedreht hat, um am jetzt schon legendären Jade Weser Port seine Fracht zu löschen. Die Wilhelmshavener Stadtmütter (wobei diese ja stets in der Minderheit waren) und Stadtväter sind offenbar von Anbeginn der Stadtgeschichte nicht zu eigenständigen, für das Gemeinwesen fruchtbringenden Entscheidungen fähig. Aufwärts ging es mit der grünen Stadt am Meer stets nur in Zeiten strikter obrigkeitsstaatlicher Lenkung. Wilhelmshaven ist vergleichbar mit einem in die Welt gesetzten Kind, das nie die Chance hatte (oder sie häufig verpasst hat), erwachsen zu werden.

von Ewald Eden

 

Kommunal-Wahl 2011 (02.08.2011)

Der Reigen der Kandidatenbefragung für die 44 freiwerdenden hochtechnisierten 1500,- €uro teuren Designersitzmöbel im Ratssaal des Jadestädtischen Högerbaues hat mit der heutigen gemeinsam von der Wilhelmshavener Zeitung und Radio Jade inszenierten Veranstaltung für den Wahlbezirk Süd im Saal von Kaisers Hotel in der Rheinstrasse (vielen älteren Schlicktauern wohl noch besser als "Heines Hotel" bekannt) seinen Auftakt erfahren. Um es gleich vorweg zu nehmen - ein richtiges Licht aufgehen sehen habe ich während der 90 Minuten bei keinem Beitrag der die Listen ihrer Parteien oder Gruppierungen anführenden Streiter - weder bei den vom politischen Tagesgeschäft noch unbefleckten Neulingen noch bei den sog. "alten Hasen" auf dem Ratsparkett. Die Beiträge der Nichtetablierten schmeckten mir gegen das essigsaure Blabla der Ratsroutiniers wenigstens wie geschmacklich entwicklungsfähige Brause. Nur bei EINEM der Bewerber in der Podiumsrunde (und das war auch noch ein "Frischling" im Revier) habe ich kein "äähhh" oder einen sonstigen Verlegenheitslaut in den Redebeiträgen aus den gesagten Sätzen aussortieren müssen. Bis auf die Aussagen der Kandidaten von SPD und der (fast hätte ich ‚Schwesterpartei geschrieben) CDU, Reese und Reuter, erschien mir das Ganze mehr wie eine technisch mal mehr, mal weniger gut ausgesteuerte Lautberieselung. Saß es mir bei des Professors dozierenden Belehrungen des gemeinen Fußvolkes schon oben im Halse, so flog es mir angesichts einer letzten tumben und arroganten Äußerung des SPD Vertreters als ruheständlerischer Beamter, auf das geäußerte Schamempfinden einer Fragestellerin bezüglich der - trotz voller Beschäftigung -‚Almosenbettelei' im Jobcenter, wie sie es nannte, als Zorn aus dem Munde.
Als Resümee habe ich für mich die Erkenntnis gewonnen, auf jeden Fall keinem der Platzhirsche mein Vertrauen zu schenken.

von Ewald Eden

 

Kleiner Geist in großem Amt … (29.07.2011)

Der Wilhelmshavener (noch) Oberbürgermeister - ich scheue mich, Eberhard Menzel als ‚Ersten Bürger' meiner Geburtsstadt zu benennen - hat wieder einmal seiner ausgeprägten Fähigkeit, nicht verlieren zu können, überdeutlich Ausdruck verliehen. Dieser seiner Charakterschwäche hat er erneut ein Gesicht gegeben. Die Niederlage seines Intimus Kottek, bei der Kandidatenbenennung für die im September anstehende Wahl und zur Nachfolge des scheidenden Amtsinhabers, hat Eberhard Menzel offenbar noch nicht verdaut. Sie liegt dem Herrn Menzel scheinbar noch immer schwer im Magen. Wie die Erfahrung uns lehrt, erzeugen Dinge, die Kreatur schwer im Magen liegen und folglich den Verdauungstrakt belasten, häufig Blähungen und unangenehm riechende Winde. Das ist übrigens eine nicht nur menschliche Eigenschaft. Seine Entscheidung, als kommunaler Wahlleiter und (noch) Chef der Verwaltung des Kandidaten (und Parteigenossen) Städtlers Eintrag im Melderegister von Hauptwohnsitz in Zweitwohnsitz abzuändern, hat die Güte eines auf der Zunge schmeckbaren Pupsers. Mein Großvater, wenn er denn noch unter uns wäre, würde dazu sagen: "Dor hett de Fendt oaber wäär düchdich een rieten loaten."
Es entsteht für den unbefangenen Beobachter der Eindruck, als wolle der scheidende OB vor seinem Abgang noch soviel städtisches Porzellan wie irgend möglich zerdeppern.
Ein scheidender Oberbürgermeister sollte ob seines Wirkens für "seine Stadt" hocherhobenen Hauptes aus dem Amt scheiden können - bei Eberhard Menzel scheint es mir eher ein ‚sich aus dem Rathaus davonschleichen müssen' zu werden.

von Ewald Eden